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Epigenomics AG schließt klinische Studie in Prostatakrebs erfolgreich ab

  • Klinische Studie mit Patientenkohorte aus mehreren klinischen Zentren abgeschlossen
  • Alle Endpunkte der Studie wurden erreicht
  • PITX2-Biomarker unterscheidet Patienten mit hohem und geringem Rückfall-Risiko

Pressemitteilung, Berlin und Seattle, WA, USA

16.10.2008

Die Epigenomics AG (Frankfurt, Prime Standard: ECX), ein Molekulardiagnostik-Unternehmen, das Krebstests auf der Basis der DNA-Methylierung entwickelt, hat heute positive Endergebnisse aus einer klinischen Studie in Prostatakrebs bekannt gegeben.

“Nachdem wir alle Patientenproben auf Methylierung des PITX2 Gens untersucht haben, konnten wir unsere Abschlussanalyse erfolgreich durchführen“, kommentierte Dr. Gunter Weiss, Vice President Product Development bei Epigenomics. „Unsere Analyse zeigt, dass die Methylierung des Gens PITX2 in der Tat ein starker, unabhängiger prognostischer Biomarker ist, der Ärzten helfen kann, eine Einschätzung im Hinblick auf das Rückfallrisiko eines Patienten zu treffen. Diese Analyse führte für alle Endpunkte der Studie zu statistisch signifikanten Ergebnissen“ fügte Dr. Weiss hinzu.

In der klinischen Studie wurden erfolgreich Paraffin-Gewebeproben von 476 Prostatakrebs-Patienten untersucht. Diese Proben stammen von Patienten, die sich einer operativen Entfernung der Prostata, auch radikale Prostatektomie genannt, unterzogen hatten. Das Material wurde von vier prominenten klinischen Zentren in Europa und den USA zur Verfügung gestellt. Ziel der Studie war es, den Nutzen von Epigenomics patentgeschütztem Biomarker PITX2 bei der Rückfallprognose von Prostatakrebs nachzuweisen.

Als primären Endpunkt, sollte die Studie beweisen, dass der Methylierungsstatus des PITX2-Gens ein statistisch signifikanter, unabhängiger Biomarker für die Prognose eines biochemischen Rückfalls von Prostatakrebspatienten nach operativer Entfernung der Prostata ist. Dieser primäre Endpunkt wurde erreicht, indem statistisch signifikant gezeigt werden konnte, dass Patienten mit einer erhöhten Methylierung des PITX2 Gens ein dreifach höheres Risiko haben, einen Rückfall zu erleiden, als die Patientengruppe mit geringer Methylierung des PITX2-Gens (Hazard Ratio = 3,0; p < 0,00005).

Die sekundären Endpunkte der Studie sollten darüber hinaus zeigen, dass die PITX2-Methylierung zusätzliche klinische Information zu etablierten, prognostischen Parametern wie Alter, Gleason Score, Tumorstadium, prä-operativem PSA-Wert und Status der Resektionsränder beiträgt. In jedem der paarweisen Vergleiche von PITX2 mit einem dieser etablierten Parameter erwies sich eine erhöhte PITX2-Methylierung als unabhängiger prognostischer Faktor. Sie resultiert in einem mehr als doppelten Rückfallrisiko im Vergleich zu der Gruppe mit geringer PITX2-Methylierung (Hazard Ratio > 2,3; p < 0,0001). In der Gruppe von Patienten mit einem mittleren Gleason-Score von 7, die Ärzte und Patienten vor schwierige Entscheidungen stellt, da ihre Prognose besonders schwer einzuschätzen ist, erlaubt der PITX2-Biomarker ebenfalls eine Unterscheidung in Gruppen mit hohem und niedrigem Rückfallrisiko (Hazard Ratio = 2,0; p = 0,005). Der PITX2-Methylierungsstatus bleibt auch in Kombination mehrerer etablierter Parameter ein statistisch signifikanter, unabhängiger prognostischer Faktor (Hazard Ratio = 1,9 / p = 0,004) und untermauert damit seinen Mehrwert beim Patientenmanagement.

Diese Studie bestätigte erneut erfolgreich den klinischen Nutzen des PITX2-Biomarkers für die Prostatakrebs-Prognose, der erstmals in einer klinischen Studie an 605 Prostatektomie-Proben aus dem Jahr 2006 unter Verwendung von Real-Time PCR gezeigt worden war. PITX2 wurde in dieser Studie auf der GeneChip™-Plattform von Affymetrix gemessen und erweist sich somit als extrem robuster Biomarker, der mit unterschiedlichen Verfahren, die sich für die Routineanwendung im Labor eignen, zuverlässig gemessen werden kann.

Aufgesetzt und analysiert wurde die Studie von Epigenomics in enger Zusammenarbeit mit klinischen Kooperationspartnern am Baylor College of Medicine, Houston Texas, USA, dem Erasmus Medical Center, Rotterdam, Niederlande, der Duke University Medical Center und dem VA Medical Center in Durham, North Carolina, USA, sowie der Uniklinik Erlangen, Deutschland. Eine baldige wissenschaftliche Publikation der Studienergebnisse ist geplant.

„Dieser Test scheint wertvolle zusätzliche prognostische Informationen in jeder Patientengruppe, in der er angewendet wurde, beizusteuern“, bemerkte Stephen J. Freedland, MD, Staff Physician am Durham VA Medical Center und Associate Professor für Urologie und Pathologie am Duke Prostate Center des Duke University Medical Center. „Als in-vitro-diagnostischer Test könnte er ein weiteres wichtiges Hilfsmittel für Patienten sein, die zusätzliche prognostische Aussagen einholen möchten, die über das hinausgehen, was es heutzutage gibt“, fügte er hinzu.

„Die prognostische Information für Patienten in mittleren und Hoch-Risikogruppen ist besonders bemerkenswert“, fügte Prof. Thomas Wheeler, MD, Vorsitzender des Department of Pathology am Baylor College of Medicine hinzu. „Besonders diese große Gruppe von Patienten sollte von den Ergebnissen des Tests profitieren.“

„Diese Resultate sind hervorragend und basieren auf einem rigorosen Studiendesign, sowie qualitativ hochwertigen Daten”, kommentierte Prof. Dr. Chris Bangma, Vorsitzender des Department of Urology am ERASMUS Medical Center. „Die Zuverlässigkeit des PITX2-Tests ist sehr beeindruckend und schafft eine Basis für die Routineanwendung im klinischen Labor.“ Diese Sicht bestätigte Prof. Dr. Arndt Hartmann, Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Erlangen. „Technisch war dies eine perfekte Studie. Für alle bis auf einen einzigen Patienten konnte eine PITX2-Messung mit verwertbarem Ergebnis durchgeführt werden. Die Technik ist ausgereift und bereit für die Anwendung.“

Nach diesen sehr guten Studienergebnissen beabsichtigt Epigenomics den PITX2-Test schnellstmöglich für Kliniker und Patienten verfügbar zu machen. Es werden verschiedene Möglichkeiten der Kommerzialisierung geprüft, zumal der PITX2 Marker auch in weiteren Anwendungen wie z.B. der Brustkrebs-Prognose Potenzial hat. Die Vermarktungsmöglichkeiten umfassen eine Lizenzierung des Biomarkers gemeinsam mit geeigneten Nachweistechnologien an klinische Referenzlabore, die Markteinführung von Forschungsprodukten in Europa, sowie einen Transfer des fertig entwickelten Testverfahrens an geeignete Partner für die regulatorische Zulassung und Kommerzialisierung als IVD-Produkt.

Über den molekularen Test zur Klassifikation von Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die am häufigsten auftretende Krebserkrankung bei amerikanischen und europäischen Männern. Bei jährlich etwa 470.000 neuen Fällen in den USA und Europa wird jeder sechste Mann im Verlauf seines Lebens mit der Diagnose Prostatakrebs konfrontiert, etwa 100.000 Männer sterben jedes Jahr an dieser Erkrankung. Bei rund 40 Prozent der Erkrankten wird die operative Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie) als die erfolgversprechendste Behandlung angewendet. Gleichwohl kehrt die Erkrankung in etwa einem von sieben Fällen zurück, wobei aufgrund der momentanen prognostischen Parameter eine hohe Unsicherheit darüber besteht, bei welchen Patienten dies der Fall sein wird. In diesem Zusammenhang entwickelt Epigenomics einen Test zur molekularen Klassifikation von Prostatakrebs, der auf der Basis gewöhnlicher Gewebeproben Ärzten und Patienten Auskunft zur Rückfallwahrscheinlichkeit gibt. Derzeit basieren die Prognosen vorwiegend auf klinischen und histopathologischen Befunden wie der Größe des Tumors, Gleason-Score und PSA-Werten vor der Operation.

In einer 2006 veröffentlichten Studie konnte Epigenomics zeigen, dass die DNA-Methylierung von PITX2 ein aussagekräftiger biologischer Marker zur Vorhersage des weiteren klinischen Verlaufs der Erkrankung nach operativer Entfernung der Prostata ist. In dieser Studie gelang es durch den Biomarker PITX2, Patienten nach Entfernung der Prostata in zwei Gruppen einzuteilen – eine mit hoher und eine mit niedriger Rückfallwahrscheinlichkeit. Darüber hinaus lieferte die DNA-Methylierung von PITX2 zusätzliche Informationen zu etablierten klinischen Parametern: So gelang es, Patienten mit Gleason-Score 7, für die eine zuverlässige Prognose auf Basis konventioneller Parameter besonders schwierig ist, in zwei Gruppen mit deutlich unterschiedlichem Rückfallrisiko zu trennen. Diese Ergebnisse wurden in der hier veröffentlichten Studie bestätigt. Die Nachfrage bei Ärzten nach einem solchen molekulardiagnostischen Klassifikationstest ist hoch, denn er könnte Patienten mit einer schlechten Prognose identifizieren, die derzeit mangels eindeutiger Erkennung möglicherweise nicht ausreichend intensiv behandelt werden.

Epigenomics AG

Die Epigenomics AG ist ein Molekulardiagnostik-Unternehmen mit einem Schwerpunkt auf der Entwicklung neuartiger Produkte für die Krebsdiagnostik. Auf der Basis von DNA-Methylierungs-Biomarkern zielen die Tests von Epigenomics darauf, Krebs bereits im Frühstadium noch vor dem Auftreten erster Symptome zu erkennen und könnten dadurch die durch diese gefürchtete Krankheit verursachte Sterblichkeit verringern.

Die Produktpipeline von Epigenomics umfasst einen klinisch validierten Biomarker für die Früherkennung von Darmkrebs in Blutplasma und weitere firmeneigene DNA-Methylierungs-Biomarker in verschiedenen Entwicklungsstadien für die Früherkennung von Prostata- und Lungenkrebs in Urin- bzw. Blut- und Bronchiallavage-Proben. Epigenomics Septin-9-Biomarker für die Früherkennung von Darmkrebs in einer gewöhnlichen Blutprobe zeigte immer wieder seine hervorragenden Eigenschaften im Rahmen mehrerer klinischer Studien mit insgesamt mehr als 3.500 Probanden.

Für die Entwicklung und Vermarktung als in-vitro-diagnostische Testkits verfolgt Epigenomics eine nicht exklusive Lizenzstrategie, die sich an Partner in der Diagnostikindustrie richtet. Als erster strategischer Partner hat Abbott Molecular Inc. die weltweiten nicht exklusiven IVD-Rechte an Epigenomics Biomarker Septin 9 zur Früherkennung von Darmkrebs einlizenziert. Epigenomics hat sich auch zum Ziel gesetzt, Ärzten und Patienten als Testservice frühzeitig Zugang zu diesen Biomarkern über zentralisierte Referenzlabors zu geben. Als erster Referenzlabor-Partner hat Quest Diagnostics Inc. – führender Anbieter von Diagnostik-Tests, Informationen und Dienstleistungen – die Lizenz für die Vermarktung eines laborentwickelten Tests (LDT) für Septin-9 in den USA erworben.

Epigenomics bietet Partnern aus der Gesundheitsbranche und der biomedizinischen Forschung Zugang zu seinem durch mehr als 150 Patentfamilien geschützten Portfolio aus DNA-Methylierungs-Technologien und -Biomarkern in Form von Forschungsprodukten, Biomarker-Dienstleistungen, IVD-Entwicklungskooperationen und Lizenzabkommen. Das Unternehmen hat seinen Firmensitz in Berlin und ist mit einer 100 %igen Tochtergesellschaft in Seattle, WA, USA, vertreten. Weitere Informationen finden sich unter www.epigenomics.com.


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